2009 - Adi Kali - der lebende Adventskalender
2009 - Ein Kind unserer Zeit
KURIER 4.12.2009
von Michaela Mottinger
EIN HORVÁTH-ABEND MIT HERZBLUT UND HIRN
Zu Beginn ist sie auf Video zu sehen. Die Operation am offenen Herzen. Doch die Kugel steckt, daran ist nicht zu ändern. Und in der Kugel stecken die Zweifel. Am System.
Das theater.wozek zeigt als Gastspiel im Wiener TAG seine Dramatisierung des Horváth-Romans "Ein Kind unserer Zeit". Regisseur Karl Wozek holt Horváth nah ans Heute, diese Geschichte vom Arbeitslosen, der in den Krieg zieht, mit Rechts liebäugelt und zum Schluss als Krüppel erfriert. Wozek lässt die Darsteller Charly Vozenilek, Barbara Sotelsek und Martin Oberhauser die Vorlage teils spielen, teils lesen. Er entkernt sie aufs Wesentliche. Da werden Soundeffekte (Sirenengeheul) ins Mikrofon geplärrt und Schauspieler zu Maschinengewehren. Mit Golf-kriegs-schlägern stellen sie sich zum Abschlag auf. Eigenltich: zum Einschlag. Der Bomben. Eine berührende, kluge Produktion. Kann man über Theater was Schöneres sagen?
KRONENZEITUNG 4.12.2009
von Florian Krenstetter
Rätselhaftes Nichts
... Da wird in dem kleinen Saal mit lauter Techno-Musik,... ein Meisterwerk in undurchschaubarer Weise dem Publikum vor die Füße geworfen.
... eine Farce.
DER STANDARD 5.12.2009
von Stefan Mayer
EMPFÄNGLICH FÜR RADIKALES
Die Theatergruppe theater.wozek bringt Horváths "Ein Kind unserer Zeit" im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) auf die Bühne.
Ein zorniger junger Mann, der seinen Vater verachtet und für einen Feigling hält, hat genung von Armut und Arbeitslosigkeit und meldet sich freiwillig zur Armee. Seine verschämten Versuche, sich einer jungen Dame zu nähern, scheitern, was ihn noch härter und empfänglicher für radikale Unnachgiebigkeit macht.
Voll jungendlicher Begeisterung versagt er sich fortan das Denken und Fühlen und liefert sich seinem Vaterland aus, dem Gehorsam, dem faschistoiden Drill: "Wir kämpfen für das Gute, für das Volk, für den Frieden."
Ein neuer Krieg, größer noch und brutaler als jener der Väter, soll die "säubern von dem organisierten Untermenschentum" - so sagt es das Vaterland, so glaubt es der junge zornige Mann (Charly Vozenilek).
Vozenileks Spiel und das seiner beiden Kollegen, Barbara Sotelsek und Martin Oberhauser, die in ständig wechselnden Rollen zu sehen sind, ist derart unmittelbar, dass Rohheit und Brutalität dem Zuschauer in manchen Momenten fast physisch erlebbar ins Gesicht geschleudert werden. Ebenso das Grauen, das schließlich im Krieg über den jungen Mann hereinbricht. Dabei ist das Bühnenbild auf wenige kistenartige Blöcke, ein paar Glasscheiben seitlich und hinter der Bühne und ein Mikrofon reduziert - mit einfachsten Mitteln, rafiniert eingesetzt, erzielt das Schaupiel-Trio größtmögliche Effekte. Das Mikrofon etwas, rhythmisch gegen die Stirn eines Darstellers geklopft, unterlegt das Spiel der anderen mit hörbarem Herzschlag; der Kugelhagel, in dem der junge Mann beim Versuch, den Hauptmann zu retten, seinen Arm verliert, wird durch Einsatz von stroboskopischem Licht aufwühlend inszeniert.
Mit zeitgemäßer Musik und aktuellen Attributen - als Uniform dient ein Fußballdress - übersetzt Regisseur Karl Wozek den Stoff in ein zeitloses Jetzt. Damit macht er klar: Es handelt sich um ein Kind auch unserer Zeit, auch heute gibt es wieder genug zornige junge Männer - arbeitslos und empfänglich für Radikales.
2009 - CRASH
Crash-Kurs durch die österreichische Literatur
Eine Deutsch-Doppelstunde der spannenden Art
Alles was Rang und Namen hat in der österreichischen Literatur der vergangenen Jahrhunderte kommt in dieser Deutsch-doppelstunde der anderen Art vor. Und das spannend, witzig, teils original, teils verfremdet.
Ob Nestroy oder Jelinek, Grillparzer oder Handke, Abraham a Sancta Clara oder Felix Mitterer, christine Nöstlinger oder Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann (die nur indirekt über eine Persiflage auf den Lese.Marathon-Bewerb unter ihrem Namen) oder Rainer Maria Rilke - sie tauchen teils in Zitaten, teils szenisch imitiert auf.
Eingebettet ist der 100-minütige Abend (Vormittag) in eine Art TV-Show, teils mit Musikeinlagen. Gespielt wird vor allem mit Sprache. Aber auch mit Inhalten rund um Streitpunkte wie Heimat, Recht(s) und Verbrechen, Betroffenheit, Ehre, Besitz und andere "Grrundpfeiler" und Werte...
Zum Besuch - und zur kreativen Weiterführung im schulischen Deutschunterricht empfohlen.
Heinz Wagner
2009 - arm:mut
Kronenzeitung
Presse
11.12.2008
Armut als Showelement?
(cher) Zwei Charityveranstalter (darstellerisch hervorragend: Barbara Horvath und Wilhelm Iben) wollen ihren Gästen etwas ganz Besonderes bieten und präsentieren eine Familie, die in ärmlichen Verhältnissen lebt. Man ermuntert die Mutter zu tanzen, die Tochter zu weinen, man benützt die Notlage der Menschen als Unterhaltungsmittel, als Showelement. Nur zum Wohle der Missbrauchten, versteht sich. Das "theater wozek" erstellte in Zusammenarbeit mit dem TAG (in dessen Theater die Aufführungen stattfinden) "arm:mut", frei nach der Tragödie "Armut" von Anton Wildgans. Der Handlungsverlauf wird nahezu eingehalten, nur fallweise geschickt adaptiert, wie etwa Gottfrieds (begabt: Charly Vozenilek) berühmter Monolog "Zwei Züge fahren von A nach B". Die Verlegung in die Jetztzeit gelingt nahtlos und macht das Wesentliche deutlich: Dass die Gesellschaft oftmals jene, die Hilfe brauchen würden, im Stich lässt und sie auch nicht respektiert.
Macht Armut reich?
Spannende Wildgans-Inszenierung von theater.wozek und TAG
Gespannte Atmosphäre liegt über dem Raum. Zumindest in der Begegnung der Kinder mit der Mutter. Da scheint die Luft zum Schneiden dick zu sein. Zwischen Marie und Gottfried (Felicitas Lukas und Charly Vozenilek), den beiden jugendlichen Kindern der Familie Spuller hingegen herrscht Zuneigung. Mehr sogar als zwischen Schwester und Bruder zulässig. Die Mutter Mathilde (Marion Rottenhofer) – frustriert, abgelehnt von allen, eifersüchtig auf den Vater Josef (Robert Kahr), den die Kinder mehr zu mögen scheinen.
Eine durchaus nicht ungewöhnliche Familie, die Anton Wildgans da vor nicht ganz 100 Jahren beschrieben hat.
Vorausgespürt Schon lange habe ihn dieser Stoff, ja dieser Dichter beschäftigt, meint Karl Wozek, Regisseur des jüngsten Stücks dieses freien Theaters, das er gemeinsam mit dem TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) realisierte. Die Entscheidung, „arm:mut“ in Angriff nehmen, fiel dann letztlich vor vielen Monaten, also geraume Zeit vor der im September akut aufgebrochenen großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie Erwin Wagenhofer mit seinem Kinofilm „Let’s make money“ war offenbar auch hier das massiver werdende Thema Armut wie es eine durchschnittliche, normale Familie erreicht, sensibel vorausgespürt worden.
Übrigens: Anton Wildgans habe einmal in sein Notizbuch eingetragen "Ich lege immer mein ganzes Gewicht in die Schale der Schwächeren", zitiert Heinz Gerstinger in einem Beitrag über diesen Dramatiker ein Bekanntnis des zunächst jungen Rechtspraktikanten knapp nach der Wende des vorvorigen zum vorigen Jahrhundert.
Zerstörerisch Natürlich gibt es auch in wohlhabenderen Familien desaströse emotionale Beziehungen. Hier aber bei den Spullers da läuft nicht zuletzt alles auf den totalen Kollaps zu, weil’s hinten und vorne am Geld fehlt. Und sich der Vater zu Tode schuftet. Vielleicht auch, um der kalten, lieblosen Ehe zu entfliehen?
Und weil schon nicht einmal mehr geheizt werden kann, die Internetverbindung abgemeldet werden muss, die Kohle auch für die Miete nicht reicht, erst recht nicht für die vielleicht doch noch lebensrettende medizinische Behandlung des Vaters und so weiter, entschließt sich Marie zum Verkauf ihres Körpers., Bruder Gottfried spielt – nicht zuletzt dank des „Gedankenanstoßes“ der Mutter – sich das Leben zu nehmen…
Gänsekopf theater.wozek und TAG „übersetzten“ Texte von Wildgans ins hier und heute und in ebenda verständliche Sprache. Als Reverenz an den Autor werden jedoch auch Originalpassagen zitiert. Und ein Gänsekopf aus Pappmaschee spielt auch eine mehrfache und -deutige Rolle. Dazwischen schieben Barbara Horvath und der geniale in vielen Rollen agierende Wilhelm Iben als ModeratorInnenduo einer Reality-Show wie es sie vielleicht in dieser oder ähnlicher Form sogar echt in der TV-Welt gibt, eine weitere Ebene ein, in dem sie das Schicksal der Spullers auf den Fernsehmonitor heben und sie anfeuern, noch mehr auf die Tränendrüse zu drücken, um einen imaginären Spendenpegel zu heben. Motto der Show: „Armut macht reich!“
Besonders spannend und ausgefallen ist die Schluss-Sequenz, wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler beginnen, sich aus ihren Rollen in ihre eigene Existenz zu verabschieden. Mehr sei darüber allerdings nicht verraten.
Nur noch, dass hier natürlich das schon zuvor auf einer weiteren Ebene des rund 100-minütigen Stücks (mit einer Pause) verhandelte Thema, was ist wirklich oder vielleicht auch wie wirklich ist die Wirklichkeit, gipfelt.
(Heinz Wagner)
2008 - PENALTY das Duell
Freundschaft und/oder Liebe
Theater Wozek spielt im Dschungel ein tiefsinniges, poetisches und doch auch witziges Stück um zwei Jungs, ein Mädchen und einen Fußball
Charly Vozenilek, Ines Rössl und Roman Binder
Der Plot ist schnell erzählt und einfach: Andy und Phil sind urdicke, die besten Freunde. Dann taucht Kaja auf. Erst verliebt sich Andy in sie und dann auch noch Phil. Ersterer hätt gern, dass Zweiterer das Mädchen ihm "überlässt". Und als der das Ansinnen ablehnt, schlägt er ein Duell am Sonntag um 12 Uhr Mittag vor - ein Elfmeterschießen.
Wer mehr Tore schießt...
So einfach die Grundgeschichte klingt, so tief, verästelt, differenziert, vielfältig entwickelt sich das 75-Minuten-Stück des jungen SchauspielerInnen-Trios. viele Ebenen werden angesprochen und teils sehr poetisch angespielt.
Sehen die beiden Jungs eigentlich noch das Mädchen, um das sie kämpfen, nehmen sie Kaja und ihre Gefühle überhaupt wahr? Weshalb redet keiner mit ihr?
Kaja
"Und ich hab gedacht, wir können uns unsere eigenen Regeln machen, man wird doch noch fliegen dürfen...", sinniert und philosophiert, teils auch resümiert (resignierend) Kaja. Was hatte sie angestellt? Zu lieben versucht. Spontan, den Gefühlen folgend. Den im Moment gültigen, den "akuten". Und sie mochte eben beide, sowohl Andy als auch Phil. Jeden anders. Ines Rössl spielt sanft und ruhig einen starken Monolog, der aber nie und nimmer gar belehrend, erklärend wirkt. Lediglich die Gefühle und Gedanken dieses jungen Mädchens in der konkreten Situation als Objekt eines Duells um sie, aber auch generell von Mädchen heute bringt sie scheinbar nebenbei und doch punktgenau zum Ausdruck.
Andy und Phil
Das junge Schauspiel-Trio des Theaters WozekKriegt die enge Freundschaft zwischen den beiden Burschen (Charly Vozenilek und Roman Binder) schon erste Risse, als Andy sich in Kaja zu verlieben beginnt, so lassen im direkten Duell beide sozusagen ihre Masken fallen. Alles, was sie aus Rücksicht auf den anderen bislang nie gesagt hatten, werfen sie einander an den Kopf. Erniedrigungen un Demütigung des anderen ist angesagt. Da ist die Rauferei nur mehr eine Draufgabe. Selbst das Penalty-Schießen tritt in den Hintergrund. Geschweige denn dass einer auch nur ansatzweise Kaja wahrnimmt.
Ob Freundschaft, Liebe, Verliebtsein, Druck jedweder Art, der von außen auf Jugendliche geladen wird, Ehrlichkeit und Verlogenheit, zum Objekt verkommen... unheimlich viele Themen, die (nicht nur) beim Heranwachsen wichtig sind, werden angesprochen und authentisch gespielt.
Artikel vom 03.06.2008 23:56 | KURIER | Heinz Wagner
Theater live
Match der Gefühle
(temp) "Spielen wir um sie!" Damit haben die zwei Jugendlichen Andy und Phil die von beiden verehrte Kaja bereits verloren. Das Theaterstück "Penalty – das Duell", jüngst im Dschungel Wien uraufgeführt, verdeutlicht die Gratwanderung zwischen Freundschaft und Liebe.
Die klassische Dreiecksbeziehung wurde von Karl Wozek realitätsnah auf die Jugend der heutigen Zeit gemünzt. Andy (Charly Vozenilek) und sein Kindheitsfreund Phil (Roman Binder) lieben dasselbe Mädchen: Kaja (Ines Rössel). Von lauter Musik, coolen Sprüchen und wilden Raufereien begleitet, versuchen sie, diesen noch nie da gewesenen Konflikt zu verstehen. Andy und Phil verband schon immer das gemeinsame Fußball-Spiel – jetzt veranstalten sie ein Elfmeterschießen um Kaja, das sie entzweien soll. "Wie ist das, wenn man verliert?", fragt diese am Ende die beiden und entscheidet sich für keinen. Ein Fußballfeld mit Rosenblättern – das vorerst seltsam wirkende Bühnenbild versinnbildlicht die in dem Stück verarbeiteten Themen Fußball und Beziehungen. Die jungen Darsteller haben bewiesen, dass sie nicht nur zielgenau Tore schießen, sondern auch gut schauspielern können.
KLEIN & KUNST
von Sylvie Wasshuber
Kick & Stage in Wien: Klein&Kunst-Redactrice Sylvie Wasshuber sah sich am 4. Juni 2008 bei der Premiere von PENALTY - DAS DUELL im Dschungel Wien an, was Jugendtheater zu den Themen Fußball und Liebe so zu bieten hat.
Was zählt mehr? Eine waschechte, schon ewig währende Burschenfreundschaft oder die Verliebtheit in ein (- und dasselbe) Mädel? Für Andy und Phil keine eindeutige Sache. Blöder Konflikt. Umso mehr, als Andy bei Kaja bereits in der Pole Position war – und Phil scheinbar nur zu faul, sich eine andere zu suchen. Als er das Objekt der gemeinsamen Begierde dann auch noch auf einer Party flüchtig küsst, ist der Ofen ganz aus.
Schnell geht´s dann zunächst verbal ans Eingemachte, wo die beiden Schwerenöter einander nichts schenken – da kommen so ziemlich alle, meist unausgesprochenen Konflikte einer lebenslangen Kameradschaft hoch. Wo der eine erfährt, dass er angeblich auf die Mutter des anderen scharf ist. Oder endlich rauskommt, dass die liebevoll gezüchtete Erdkröte als Geschenk eher eine Niete war.
Wirkt zunächst recht reinigend, die Aussprache ohne Blatt vor Mund und Hosenlatz. Da sich kein brauchbares Lösungs-Szenario findet (Weitpissen und Eierpecken fallen aus ...), bietet sich als scheinbar fairer Ausweg ein Elfmeter-Duell an – zum Missfallen Kajas, die sich völlig missachtet fühlt. Hat sie doch beide lieb... Doch irgendwann dämmert es auch den männlichen Helden des Stücks, dass Kicken zwar ganz cool, aber nicht in jeder Lebenslage der Weisheit letzter Schluss ist...
So simpel der Plot klingen mag, so kurzweilig und schwungvoll ist die Inszenierung des Theater Wozek. Großartig die jungen DarstellerInnen: Ines Rössl, Charly Vozenilek und Roman Binder, die allesamt recht überzeugend drei Achtzehnjährige mimen, obwohl sie schon ein paar Lenze mehr zählen. Und denen die teils recht explizite Sprache mühelos von den Lippen kommt.
2008 - Jugend ohne Gott
Die Guten sind böse...
... und die Bösen gut/Was ist Liebe & was Hass? "Jugend ohne Gott" im Dschungel Wien
Ödön von Horvath, Referat pfauh öd. So die erste Reaktion der fünf SchülerInnen, als sie mit der Aufgabe konfrontiert sind, zu diesem Autor und insbesondere zu seinem Stück "Jugend ohne Gott" ein Referat halten zu sollen.
die Fünfergruppe aus Z., N., T., B. und Eva hat erst überhaupt keine Lust. Wer soll das Buch überhaupt lesen? Keine und keiner will eigentlich. letztlich wird das Buch B., dem Rollstuhlfahrer in den Schoß gedrückt.
Und wirklich weiter geht auch in den nächsten Tagen nichts.
"Übersetzung"
Faszinierend wie diese Rahmenhandlung schon mit einem Gutteil des Personals aus Horváths Stück hantiert. ausgrenzung - neben dem Rollstholfahrer vor allem der Migrantin Eva - sind ebenfalls nichts anderes als inspiriert vom Rassismus in einem der Aufsätze, die der Lehrer im Originalstück lesen muss.
Die Horváth'schen Details sind ins hier und heute "übersetzt": So werden aus den Tagebucheintragungen, die der Lehrer heimlich liest, SMS des Schülers Z, die die Lehrerin Edeltraud im liegen gelassenen Handy heimlich anschaut.
Phasenweise wird der - heute sicher recht sperrig wirkende - Text des Originals zitiert - optimal ins Stück integriert.
Ob zärtliche Annäherungen, Konflikte, Gewalt oder Passagen in denen an den Kern des Stücks geht - das Diskutieren, Überlegen, Philosophieren - das Ensemble (Marion Rottenhofer, Felicitas Lukas, Charly Vozenilek, Wilhelm Iben, Philipp Eisenmann und Sandra Selimovic, Regie Karl Wozek) agiert stets überzeugend. Echt. Autehntisch.
Die Suche nach Antworten auf die Fragen, was Wirklichkeit ist oder was Hass und was Liebe wird richtig gehend greifbar, zieht das Publikum absolut in den Bann.
"Die Guten sind böse und die Bösen gut!", lautet eines der Zitate - je nach herrschender Norm eben!
So wird Horváths Auseinandersetzung mit Grundfragen verständlich, nachvollziehbar - der Bogen vom fast 100 Jahre alten Stück ins hier und heute gespannt.
Macht richtig Lust darauf, wirklich ein Referat zu seinem Stück zu machen.
DER STANDARD 29.4.2008
NEU IM THEATER (ih)
Der harte Kampf der Jugend
Den kaltherzigen Charakter der Jugendlichen im Dritten Reich, denen die Wahrheit abhandengekommen ist, beschreibt Ödön von Horváth in seinem Roman Jugend ohne Gott; der Theaterregisseur Karl Wozek inszenierte im Dschungel Wien ein Jugendtheaterstück gleichen Titels. Die Deutschlehrerin teilt eine Klasse in Gruppen, welche Referate vorzubereiten haben. Dass eine davon an "Jugend ohne Gott" arbeiten soll, ist eher ein Detail am Rande. Als Grundlage seiner Arbeit führte Wozek Interviews mit Jugendlichen, die über ihre Auffassung von Themen wie Lebenssinn, Gewalt, "No future", Schule und Gott erzählten. Der eineinhalbstündige Abend im Dschungel geriet zu einer Art Bestandsaufnahme, Zustandsbeschreibung einer "normalen" Schülerwelt. [...] Wozek zeigt sie beim Streiten, Sich-Behaupten. Gewalt gegen die Mitschüler, ein unverbittlicher Kampf zwischen Gleichaltrigen - der das Publikum jubeln ließ. [...]
2007 - Afrika im Keller
Kurier (Gabi Matijevic)
Dunkle Komödie der Theatergruppe Wozek über Grenzerfahrungen und die heutige Wettbewerbsgesellschaft. [...] Passend zur Weihnachtszeit, der besinnlichsten "Konsumzeit" des Jahres, gelingt es Regisseur Karl Wozek gemeinsam mit seinen Schauspielern unsere Wettbewerbsgesellschaft zu entblößen und zum Nachdenken zu animieren. "Afrika im Keller" thematisiert nicht nur das Phänomen Phantomurlaub, sondern schafft es eine typisch österreichische Familie liebenswert darzustellen, um sie dann Stück für Stück zu dekonstruieren. Dem Ensemble ist ein großartiges Stück mit Tiefenwirkung gelungen, das Vieles offen legt. [...]
Wiener Zeitung (Helene Kurz)
Phantomurlaub im Keller [...] Die Theatergruppe Wozek zeigt in "Afrika im Keller" eine Extremsituation und treibt unsere perfide Konsumgesellschaft auf die Spitze.
Karl Wozek ist eine aufrüttelnde Parabel gelungen, die zum Nachdenken anregt.
Klein&Kunst (Brigitte Fleischhacker)
[...] Karl Wozek ruft mit seiner schrägen Aufführung „Afrika im Keller„ beim Zuschauer Entsetzen hervor, verwirrt, wühlt auf und bringt so auch zum Nachdenken über eine Konsum- und Leistungsgesellschaft, die den Menschen immer mehr Druck macht mitzuhalten, es ihnen aber gleichzeitig immer schwerer macht ihr gerecht zu werden.
Kurier (Heinz Wagner)
Vorgaukeln: Innere Hölle in der Familie [...] Überhöht in einer Extremsituation geht es auch um das Errichten von Fassaden. [...] Es kommt, wie es kommen muss. Der Lagerkoller wird von allen stark gespielt. Wo´s gar zu heftig würde, laufen Filmsequenzen auf einem großen Screen.
Falter 4/08 (Bettina Hagen)
Afrika im Keller Familie Schreiber lebt vom äußeren Schein und über ihre finanziellen Verhältnisse. Als Vater Schreiber, ein kleiner Angestellter in einem Möbelhaus, sich bei Kollegen prahlend verplappert, er fahre mit seiner Familie im Winter drei Wochen nach Afrika, bleibt ihm nur die Vortäuschung dieses Urlaubs im hauseigenen Keller. Der Lagerkoller scheint vorprogrammiert, und trotzdem hält die Familie durch. Das Stück "Afrika im Keller" im Dschungel spielt in der Zeit nach diesem einschneidenden Erlebnis. Um ihren Fortbestand zu gewährleisten, begibt sich die Familie in einem psychotherapeutischen Speziealinstitut freiwillig nochmals in eine ähnliche beengende Situation. Autor/Regisseur Karl Wozek hat diesmal ein Stück Familientherapie geschrieben und inszeniert, in dem die Grenzen zwischen alltäglichen Problemen und ihrer ungewöhnlichen Bewältigung verschwimmen. Interessant ist, dass die Familienmitglieder innerhalb ihrer geschlechtsspezifischen Rollen in der Gesellschaft agieren und mehr oder weniger "funktionieren", währnd sich die gestrenge Leiterin des Instituts im engen Hosenanzug genüsslich über diese Rollen hinwegsetzt und dadurch die Mängel des "Systems" nicht nur für Familie Schreiber offenlegt.
2007 - FATIMA oder DIE vÖLKERWANDERUNG
DER STANDARD
7. Okt. 2007
Hetz über den Herrmannskogel
Am Ende herrscht kurz absolute Stille. Und diese segensreiche Ruhe zwischen den drei endzeitlich geprägten Gegenspielergestalten hat die Macht zur Einswerdung.
Also: Goschn, wenn ihr euch einigen wollt. Dieses pessimistische Schlussergebnis liefert Fatima oder die Völkerwanderung, ein Stück, das die Existenzbedingungen des Andersseins abspult.
Der Hermannskogel ist das Ziel des Zweimannpöbels Fredl (Martin Oberhauser) und Walter (Paul König). Gemeinsam haben sie das Billigjoggingoutfit und ihre Grundbedrohlichkeit: Verirrt, verfolgt oder auf der Jagd - jedenfalls völlig überspannt brüllen sie sich Wirgefühl zu. In diese Zweisamkeit platzt mit der Schwarzen Fatima (Melanie Waldbauer) eine Emotionsmaschinerie, einmal Notrufseelsorgerin, dann Callgirl, Rassismus- oder Gewaltopfer. Autor und Regisseur Karl Wozek unterschlägt konsequent den Bedeutung wie Bedauern stiftenden Handlungskontext, seine Schauspieler wirbeln die Summe an Realitässplitter auf. Auch wenn sie zeitweillig grob gezeichnet bleiben: Ein Abend in Beckett-Atmosphäre, im Baudrillard´schen Sinn gelungen. (pet)
FALTER
43/07
Fatima oder die Völkerwanderung
Im neuen Stück von Karl Wozek treffen zwei Urwiener in einer Art Endzeitparabel auf eine geballte Ladung ihrer Ängste. Die beiden Protagonisten - würdig verkörpert von Martin Oberhauser und Paul König in billigen Jogginganzügen - erscheinen gehetzt von ihrem schlechten Gewissen abwechselnd grausam und bemitleidenswert. Sie wirken gefangen in ebenso sinnlosen wie brutalen Männlichkeitsritualen, als die letzten Überlebenden ihrer Art beharren sie auf ihrer Einzigartigkeit und Überlegenheit mit leeren und wütend gedroschenen Floskeln des Fremdenhasses. Als die beiden Männer auf dem Hermannskogel einer Frau begegnen, die mir ihrer dunkeln Hautfarbe all das verkörpert, was ihnen fremd ist, beginnt eine Reigen an grausam existenziellen Duellen. Melanie Waldbauer als Fatima ist mit ihrer kräftigen Stimme lautes Opfer und gnadenlose Anklägerin zugleich. Bei so viel bedeutungsschwerem Inhalt kommt die Handlung ein wenig zu kurz. Jedenfalls lässt Wozek das goldene Wienerherz ordentlich grühen.
Bettina Hagen
2006 - Amsterdam
STANDARD 5.12.2006
Wenn Gott tot ist
Frustration, Macht und Gewalt: Ein Höllenritt in „Amsterdam“
von Katharina Holub
24 Stunden lang Gott sein. Ein Jugenddrama. [...] „Die Orientierungslosigkeit und die Macht, die am Ende zur Ohnmacht wird“, ist für den Drehbuchautor und Regisseur Karl Wozek die Botschaft von „Amsterdam“. Die Inszenierung glänzt durch die vielfältigen Themengebiete, welche durch die Schauspieler gekonnt, abgedeckt werden.[...] Gerade bei der Szene des sexuellen Missbrauchs herrschte im Publikum im Dschungel Wien geschockte Totenstille.
KURIER 19.6.2007
Rezepte gegen die Fadesse
von Heinz Wagner
Irgendwie ist "ollas urfad".
Sieben Jugendliche einer Stadtrandsiedlung hängen im Café herum. Plötzlich haben sie die Idee. Sie erfinden das "Liebe-Gott-Spiel". Jeden Tag darf eine andere/ ein anderer bestimmen, was zu geschehen hat - die absolute Macht für 24 Stunden ausüben. Klingt cool und abenteuerlich. Ist es auch - anfangs. Nervenkitzel für alle. Wenn dich ein Gott/ eine Göttin erniedrigt, bleibt die Gewissheit: An einem anderen Tag bist du an der Reihe zu herrschen. Das Spiel für den die unterschiedlichen Typen Anna, Max, Stelle, Tiberius, Erich, Ricky und Dorothea den Codenamen "Amsterdam" erfinden, gewinnt jedoch eine unheimliche Eigendynamik.
Die jugendlichen Schauspieler des theater.wozek spielen sehr glaubhaft - beklemmd echt. Rache an einem ehemaligen Mathelehrer wird blutig ausgeübt. Doch wie aus der Gewaltspirale rauskommen, war doch ein Teil der Spielregeln: Nix darf verraten werden und niemand kann aussteigen...
2006 - Ludwig / Egon / Romy
WIRTSCHAFTSBLATT Mai 2006
Ludwig / Egon / Romy im 3raum-Anatomietheater
Drei Auserwählte einer Quizshow (hervorragend gespielt von Andreas Erstling, Michael Smulik, Heidelinde Pfaffenbichler) treffen im Backstageraum aufeinander. Wann geht´s los? Was ist das Zeichen? Hostessen beruhigen die Kandidaten. Die Situation eskaliert. Spannend und aberwitzig in Szene gesetzt von Regisseur Karl Wozek.
2005/ 2006 - ÖL
FALTER 46/05
ÖL
von Wolfgang Kralicek
[...] Der interessante Wiener Regisseur Karl Wozek präsentiert eine szenische Tour de force durch die österreichische Literaturgeschichte: Ein Mix aus poetischem Panoptikum, bissigem Kabarett und wilder Theaerrevue.
2002 - (K) Einer flog übers Kuckucksnest
CITY STADTZEITUNG FÜR WIEN April 2002
(K)Einer flog über das Kuckucksnest
Der Mime und Theatergruppenkopf Karl Wozek stellt mit der Tragikomödie eines „Assozialen“, dem ausgerechnet sein soziales Engagement zum Verhängnis wird, eine Urfrage: „Wie überlebe ich ein Unleben und wozu?“
FALTER 17/2002
Kuckucksnest
[...] Karl Wozek und sein eingeschworenes Team knien sich so richtig rein in (K)Einer flog über das Kuckucksnest nach dem psychiatrie- und gesellschaftskritischen Roman von Ken Kesey. [...] Ein Abend wie ein Zeitloch: Schön, dass es noch so engagiertes Theater gibt.
DIE PRESSE 22.4.2002
Austropop im Irrenhaus
[...] Wozek transponiert die Handlung von Oregon nach Wien. So wird Austropop zum Motiv, statt der Baseballübertragungen im Original. [...] Es ist schon ziemlich witzig, wenn die versammelten Irren „Heute drah i mi ham“ singen. [...]
AUGUSTIN Nr. 94/2002
Kampfansage im Gesellschaftshaus
Ein Interview mit Karl Wozek. Nachzulesen in der Aprilausgabe 2002 (Seite 28/29) oder im Internet: www.augustin.bus.at
2001 - Nestroys Baldachin
DER STANDARD 11.12.2001
Nestroys Baldachin
von afze
Gute Idee: ein Nestroy-Abend, den Schauspieler und Ensembleleiter Karl Wozek ausrichtet. Der Mann gehört zu den exzentrischen Darstellern, ohne in den üblichen Nestroy-Singsang zu verfallen. Jetzt probt er (als Regisseur) mit den theater.wozek passend zu Nestroy: den Umerziehungsaufstand. Eine wilde Textmenage ist Grundlage der Perfomance: Handke, Goethe, Nestroy und -nicht gesprochen, sondern geschmissen – Kafka. Man beschaut in 17 Bildern den Freikampf führungsloser Lagerinsassen. Sie sitzen mit uns im großen Gesellschaftshaus.
2001 - Nietzsche nackt
DER STANDARD 15.3.2001
Der Bilderstürmer Nietzsche als Bildererschaffer
von Stephan Hilpold
[...] Das theater.wozek ist, wie soll man es anders sagen, ein Phänomen. Geheiligter Wozek, steh uns bei!
2000 - Projekt Nietzsche im Kabelwerk
PRESSE 21.10.2000
Im Herzen Zarathustras: K.O.-Soeg für Dionysos
von Thomas Kramar
[...] All das und noch viel mehr bietet das theater.wozek in kalten Maschinenhallen im Süden Wiens. [...] Man atmet allmählich auf und faßt sich: Man hat gehörigen Spuk überstanden. Theatralischer und wahnsinniger sind höchstens die späten Nietzsche-Texte an sich. Gedankenstrich, Rufzeichen.
WWW.YUMYUM.CC
Ein Leben im Hades/Schauspiel in 27 Bildern
von Franco Schedl
[...] Wozek bedient sich nämlich in seiner Inszenierung einer expressiven Bildersprache und läßt sich von Assoziationen leiten. Die Figur Nietzsches vervielfältigt sich unaufhörlich und wird von den unterschiedlichsten Darstellern verkörpert - oft sind mehrere dieser philosophischen Doubles zugleich auf der Bühne. [...] Alle, die modernes, lockeres und manchmal auch provokantes Theater schätzen, sollten sich den dreistündigen Besuch im „Theater des Augenblicks“ nicht entgehen lassen.
2000 - Hamlet Triptychon / ham.let
DER STANDARD 26.1.2000
Im Rädchenwerk des Dänenprinzen
[...] Im letzten Teil dieser Tour de Force gelingen Wozek die Bilder, die er den Abend über verspricht. Müllers kräftig geschüttelter Text wird zur Sprungschanze der Bedeutungen.
Stephan Hilpold
KLEIN&KUNST Nr.20/2000
Hamlet-Triptychon
Aus drei Geschichten und einem Schicksal gelingt dem theater.wozek eine beeindruckende Collage zum Phänomen Hamlet. [...] Karl Wozek hat in seiner Fassung gekürzt und radikal die verschiedenen Motive zum underdog Hamlet verknüpft. [...] Mit ein ein paar köstlichen Effekten macht sich Karl Wozek theatralische Formen zunutze. [...] Der Musikeinsatz unterstreicht den jugendlichen, fetzigen Zugang zu dieser Theaterikone. [...] Eine Empfehlung für Freunde des ungekünstelten Theatererlebnisses.
CITY STADTZEITUNG FÜR WIEN 5/2000
Play Hamlet
von wald
Nicht bloß einfach „Hamlet“, sondern gleich ein „Hamlet-Triptychon“ auf die Bühne zu zwingen, das dem Shakespeare-Drama noch zwei zusätzliche Hamlet-Texte aufpfropft, kann ohne gesunde Portion Größenwahnsinn nicht abgehen. Aber schließlich ist die Zeit aus den Fugen im Staate Dänemark – und diesem Zustand entspricht Karl Wozeks maßlose Umsetzung des gigantischen Spreng-Stoffes im Theater des Augenblicks vollkommen.
FALTER 18/00
Schmäh ohne, ohne Schmäh
von Wolfgang Kralicek
[...] danach spielt das theater.wozek Heiner Müllers „Hamletmaschine“. Regisseur Karl Wozek ist ein Besessener, der ohne Subventionen seit vier Jahren Theater macht: unter anderem hat er bisher „Faust I“ und die „Räuber“ inszeniert. [...] Die Präzision und die Energie des Ensembles erinnern an die Chöre des Einar Scheef. [...] Es ist gut zu wissen, dass es noch Menschen gibt, die glauben, mit „Hamlet“ die Welt verbessern zu können.
KURIER 27.4.2000
Hamletmaschine
von Peter Jarolin
[...] Lauter und weniger bieder nähert sich Karl Wozek zu später Stunde der „Hamletmaschine“. Erst hier darf sich ein Drama voll entfallten, ist spannendes Theater zu erleben.










