Jugend ohne Gott
Die Guten sind böse...
... und die Bösen gut/Was ist Liebe & was Hass? "Jugend ohne Gott" im Dschungel Wien
Ödön von Horvath, Referat pfauh öd. So die erste Reaktion der fünf SchülerInnen, als sie mit
der Aufgabe konfrontiert sind, zu diesem Autor und insbesondere zu seinem Stück "Jugend ohne Gott" ein Referat halten zu sollen.
die Fünfergruppe aus Z., N., T., B. und Eva hat erst überhaupt keine Lust. Wer soll das Buch überhaupt lesen? Keine und keiner will eigentlich. letztlich wird das Buch B., dem Rollstuhlfahrer in den
Schoß gedrückt.
Und wirklich weiter geht auch in den nächsten Tagen nichts.
"Übersetzung"
Faszinierend wie diese Rahmenhandlung schon mit einem Gutteil des Personals aus Horváths Stück hantiert. Ausgrenzung - neben dem Rollstholfahrer vor allem der
Migrantin Eva - sind ebenfalls nichts anderes als inspiriert vom Rassismus in einem der Aufsätze, die der Lehrer im Originalstück lesen muss.
Die Horváth'schen Details sind ins hier und heute "übersetzt": So werden aus den Tagebucheintragungen, die der Lehrer heimlich liest, SMS des Schülers Z, die die Lehrerin Edeltraud im liegen
gelassenen Handy heimlich anschaut.
Phasenweise wird der - heute sicher recht sperrig wirkende - Text des Originals zitiert - optimal ins Stück integriert.
Ob zärtliche Annäherungen, Konflikte, Gewalt oder Passagen in denen an den Kern des Stücks geht - das Diskutieren, Überlegen, Philosophieren - das Ensemble (Marion Rottenhofer, Felicitas Lukas,
Charly Vozenilek, Wilhelm Iben, Philipp Eisenmann und Sandra Selimovic, Regie Karl Wozek) agiert stets überzeugend. Echt. Autehntisch.
Die Suche nach Antworten auf die Fragen, was Wirklichkeit ist oder was Hass und was Liebe wird richtig gehend greifbar, zieht das Publikum absolut in den Bann.
"Die Guten sind böse und die Bösen gut!", lautet eines der Zitate - je nach herrschender Norm eben!
So wird Horváths Auseinandersetzung mit Grundfragen verständlich, nachvollziehbar - der Bogen vom fast 100 Jahre alten Stück ins hier und heute gespannt.
Macht richtig Lust darauf, wirklich ein Referat zu seinem Stück zu machen.
Der harte Kampf der Jugend
Den kaltherzigen Charakter der Jugendlichen im Dritten Reich, denen die Wahrheit abhandengekommen ist, beschreibt Ödön von Horváth in seinem Roman Jugend ohne Gott; der Theaterregisseur Karl Wozek inszenierte im Dschungel Wien ein Jugendtheaterstück gleichen Titels. Die Deutschlehrerin teilt eine Klasse in Gruppen, welche Referate vorzubereiten haben. Dass eine davon an "Jugend ohne Gott" arbeiten soll, ist eher ein Detail am Rande. Als Grundlage seiner Arbeit führte Wozek Interviews mit Jugendlichen, die über ihre Auffassung von Themen wie Lebenssinn, Gewalt, "No future", Schule und Gott erzählten. Der eineinhalbstündige Abend im Dschungel geriet zu einer Art Bestandsaufnahme, Zustandsbeschreibung einer "normalen" Schülerwelt. [...] Wozek zeigt sie beim Streiten, Sich-Behaupten. Gewalt gegen die Mitschüler, ein unverbittlicher Kampf zwischen Gleichaltrigen - der das Publikum jubeln ließ. [...]
HOFFNUNGSLOS / Die Schauspieler "TheaterEISbrecher" versetzten in der Kunstwerkstatt das Ödön von Horvath Jugenddrama "Jugend ohne Gott" in die heutige Zeit.
Kampf gegen Gleichgültigkeit
von Urbanitsch
TULLN/ Frei nach Ödön von Horvaths "Jugend ohne Gott" setzt der Regisseur Karl Wozek mit seinen Schauspielern die noch immer aktuellen Probleme der Jugendlichen in unsere Zeit.
In diesem Drama müssen fünf Schüler gemeinsam ein Referat erarbeiten und sind gezwungen, sich miteinander auseinanderzusetzen.
Die jungen Schauspieler verstanden es, die hoffnungslos rohe Geschichte über Liebe, Sex, Gewalt und Gleichgültigkeit glaubhaft auszudrücken. Die Figuren und Charaktere sind dem Original entnommen,
die Dialoge wurden gemeinsam mit Regisseur und Schauspielern erarbeitet. Zum Teil extrem in Sprache und Ausdruck, ist diese Inszenierung ein Stück von und für Jugendliche. Ein Tagebuch, das in
Horvaths Original zum dramatischen Ende führt, wird hier durch ein Handy ersetzt, und spät, aber doch, entsteht ein Gefühl der Nächstenliebe.
"Die jungen Schauspieler zeigen auf, wie das Fehlen von ethischen Werten unweigerlich zum Abstieg führt."
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