2007 - Jugend ohne Gott

HOFFNUNGSLOS / Die Schauspieler "TheaterEISbrecher" versetzten in der Kunstwerkstatt das Ödön von Horvath Jugenddrama "Jugend ohne Gott" in die heutige Zeit.
Kampf gegen Gleichgültigkeit
von Urbanitsch

TULLN/ Frei nach Ödön von Horvaths "Jugend ohne Gott" setzt der Regisseur Karl Wozek mit seinen Schauspielern die noch immer aktuellen Probleme der Jugendlichen in unsere Zeit.
In diesem Drama müssen fünf Schüler gemeinsam ein Referat erarbeiten und sind gezwungen, sich miteinander auseinanderzusetzen.
Die jungen Schauspieler verstanden es, die hoffnungslos rohe Geschichte über Liebe, Sex, Gewalt und Gleichgültigkeit glaubhaft auszudrücken. Die Figuren und Charaktere sind dem Original entnommen, die Dialoge wurden gemeinsam mit Regisseur und Schauspielern erarbeitet. Zum Teil extrem in Sprache und Ausdruck, ist diese Inszenierung ein Stück von und für Jugendliche. Ein Tagebuch, das in Horvaths Original zum dramatischen Ende führt, wird hier durch ein Handy ersetzt, und spät, aber doch, entsteht ein Gefühl der Nächstenliebe.
"Die jungen Schauspieler zeigen auf, wie das Fehlen von ethischen Werten unweigerlich zum Abstieg führt."



DER STANDARD
29.4.2008

NEU IM THEATER (ih)

Der harte Kampf der Jugend
Den kaltherzigen Charakter der Jugendlichen im Dritten Reich, denen die Wahrheit abhandengekommen ist, beschreibt Ödön von Horváth in seinem Roman Jugend ohne Gott; der Theaterregisseur Karl Wozek inszenierte im Dschungel Wien ein Jugendtheaterstück gleichen Titels. Die Deutschlehrerin teilt eine Klasse in Gruppen, welche Referate vorzubereiten haben. Dass eine davon an "Jugend ohne Gott" arbeiten soll, ist eher ein Detail am Rande. Als Grundlage seiner Arbeit führte Wozek Interviews mit Jugendlichen, die über ihre Auffassung von Themen wie Lebenssinn, Gewalt, "No future", Schule und Gott erzählten. Der eineinhalbstündige Abend im Dschungel geriet zu einer Art Bestandsaufnahme, Zustandsbeschreibung einer "normalen" Schülerwelt. [...] Wozek zeigt sie beim Streiten, Sich-Behaupten. Gewalt gegen die Mitschüler, ein unverbittlicher Kampf zwischen Gleichaltrigen - der das Publikum jubeln ließ. [...]

2007 - Fatima oder die Völkerwanderung

NÖN
Woche 17/2007

STARKES STÜCK
/ Das TheaterEISbrecher zeigte Karls Wozeks "Fatima oder die Völkerwanderung" im Brucker Stadttheater.

Beim Namen nennen
Ein paar Buchen- und Birkenäste und ein Wegweiser zur Habsburgwarte verwandelten die Bühne des Bruckner Stadttheaters am Wochenende in ein Stück Wienerwald. Dort begegnen uns Walter und Franz, zwei verwirrte, etwas verängstigte junge Männer in Turnschuhen und Jogginganzug. Zwei "echte Wiener" mit ruppigem Schmäh, auch irgendwie herzig. Die beiden sind auf der Flucht aus dem von Ausländern überschwemmten Wien. Voll Angst vor der dunkelhäutigen Bedrohung überlegen sie, wie es nun weitergehen soll.
Dabei entpuppt sich das goldene Wienerherz zunehmend als Mördergrube voll ängstlichem Hass auf alles Fremde. Letzter Rettungsanker in dieser Situation ist die Besinnung auf die Größe der Monarchie, die in Schlachtenbummlermanier besungen wird. Paul König und Martin Oberhauser pendeln in ihren Rollen grandios zwischen Jammern und Johlen.
Bald taucht eine selbstbewusste afrikanische Geschäftsfrau, gespielt von Melanie Waldbauer, auf. Autor Karl Wozek lässt unsere beiden "Helden" und die Zuschauer im Ungewissen, ob diese Frau real ist oder nicht. Walter und Franz sehen in ihr aber immer deutlicher den wiedergekehrten Geist eines Mädchens, das sie vergewaltigt und getötet haben. Noch einmal ermorden sie die Ermordete, um nicht mehr an ihre Schuld erinnert zu werden. Ein untauglicher Versuch. Am Ende stürzen die beiden Männer in ein selbstzerstörerisches Delirium und erst ganz am Schluss, in einer Art Jenseits-Szene, stellt einer von ihnen die Frage, die sonst ganz am Anfang steht: "Wie heißt du?" "Fatima."
Peter Langer

Vorankündigung

2006 - ÖL

NÖN11

„Sonst geht´s uns gut“

von Peter Langer

Die junge Theatergruppe zeigte im Brucker Stadttheater ihre Literaturshow ÖL. Eine Zusammenstellung düsterer Texte österreichischer Autoren.

[...] Wozek hat für diese Show Texte unter anderem von Walther von der Vogelweide, Grillparzer, Nestroy, Kafka, Handke [...] ausgewählt und bearbeitet und zu einem fesselnden Horrortrip durch österreichische Seelenlandschaften zusammengestellt. [...] Kein Schönwetterstück, sondern eine Szenensammlung, die zum Nachdenken anregt. Wenn theater.wozek das nächste Mal kommen, unbedingt anschauen. So spannend war Theater noch selten.



NÖN 17
Brutale Poesie in „ÖL“

von Mairweck

Österreichische Literatur in einem äußerst symbolischen und gelungenen Stück der Theatergruppe „Wozek“ Mistelbach [...] Außergewöhnliche schauspielerische Leistungen von vier jungen professionellen Darstellern, die von Dialekt zu Dialekt und von Theaterform zu Theaterform switchten, als ob sie nie etwas anderes getan hätten. Sie versetzten das Publikum innerhalb von Sekunden gekonnt in verschiedenste Stimmungen. Die Inspiration für das Stück „ÖL“ holte sich Regisseur Karl Wozek aus Deutschunterrichtsbüchern. Ihm gelang es, [...] große Dichter in die heutige Zeit zu bringen und mit gesellschaftskritischen Nuancen zu verschachteln. Das Ergebnis „brutale Poesie“, vorgetragen von äußerst begabten jungen Talenten.